Illegale Downloads. Fast jeder hat das schon mal ausprobiert, meistens auf den sehr einfach zu bedienenden Plattformen. Damals Kazaa, heute Bearshare, Limewire und wie sie nicht alle heißen. Ob ich es getan habe? Kein Kommentar. Doch wenn ich darüber nachdenke was bei illegalen Download eigentlich passiert fallen mir einige Dinge auf, bei denen mich das Geheule der Musik und Filmindustrie einfach kalt lässt.
Seit Jahren Jahrzehnten beschweren diese sich über sinkende Einnahmen und wachsende Piraterie. Immer neue Kopierschutzmechanismen werden entwickelt und mit ihnen teilweise sogar verhindert, dass ehrliche Käufer bspw. CDs im guten alten CD-Player abspielen können. Soweit ist es also schon. Zudem werden im Internet ganze Massenklagen losgetreten gegen Benutzer illegaler Tauschbörsen, wie Torrent, eDonkey und Co. Ich habe keine exakten Zahlen parat, deswegen lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster. Doch die Anstrengungen der Industrie, den “Schmarozern” Herr zu werden, nehmen utopische Ausmaße an.
In meinen Augen ist das jedoch an falscher Stelle investiert. Man hört immer Raubkopien schaden der Industrie und würde jeder raubkopieren, dann gäbe es bald keine Filme und Musik mehr die man raubkopieren könnte. Doch hierbei geht man einfach davon aus, dass Raubkopierer durchweg alle schlechte Menschen sind, die – wenn sich die Möglichkeit ergibt – nur noch herunterladen und keine Originalinhalte mehr erwerben. Das ist grundfalsch.
Wenn ich etwas herunterladen würde, dann würde ich dies nur tun, um einen Überblick über die Güte dessen zu bekommen, was mein Interesse geweckt hat. Gehen wir von einem neuen Musikalbum aus, dann würde ich dieses zunächst herunterladen um es mir einmal anzuhören, zu sehen ob und wie es mir gefällt, ob es einen Kauf wert ist. Wenn es das ist, dann würde ich es sofort auf legalem Wege erstehen. Gehe ich als Kunde gerne diesen Weg, werde ich von der Musikindustrie sogar zu illegalen Downloads gezwungen! Denn warum gibt es online keine vollständige Demo-Version des Albums? Wäre es ein Verlust einem potentiellen Käufer das einmalige Hören der kompletten Titel zu erlauben? Ohja, klar. Er könnte es während dessen schon mitschneiden. Genau.
Aber mal ehrlich: Wie paranoid ist das denn? Man sollte das viel eher als Chance sehen, die illegalen Downloads einzudämmen und damit mehr Kontrolle über die Inhalte zu bekommen! Und mit Sicherheit auch eine ganz neue Käuferschicht zu gewinnen. Mich würde das Konzept aus der Sicht eines Test-Hör-Downloaders vollkommen überzeugen. Der wäre dann nicht mehr auf die illegale Möglichkeit des Probehörens angewiesen. Und der potentielle Käufer, der sowohl von Tauschbörse als auch von 30-Sekunden-Probehören abgeschreckt, wird zum sicheren Ass im Ärmel, denn nachdem er das Album einmal kostenlos hören durfte gefällt es ihm gut und er kauft es!
Reputation ist da ein Stichwort. Die Labels könnten die Reputation eines neuen Albums deutlich verbessern indem man es mehr Menschen zum Anhören zu Verfügung stellt. Klar, das verursacht erstmal wieder Panik, weil man das Album ja defacto kostenlos anbietet. Doch vielleicht muss man einige wenige raubkopierte Mitschnitte in Kauf nehmen um größere echte Käuferschichten zu erschließen?
Genau so verhält es sich bei Filmdownloads. Die Raubkopierermafia, vor allem in Russland, hat bereits solche Ausmaße qualitativ minderwertiger Filmkopien angenommen, dass die Studios quasi freiwillig selbst eigene Kopien der Filme in die Tauschbörsen schleusen um zumindest die Qualität der Inhalte gewahrt zu sehen. Und damit auch die Reputation.
Ist ein Film nur in schlechter Qualität in den Tauschbörsen zu finden, wird er weniger geladen – auch Raubkopierer haben Ansprüche und einen Sinn für Qualität. Außerdem haben sie meistens auch einen Sinn für die Qualität des Films selbst, nicht nur des vorliegenden Release. Warum sieht man also nicht davon ab, “Filmsauger” zu verklagen, um sie stattdessen Mundpropaganda über den Film verbreiten zu lassen? Das ist doch eigentlich ein Selbstläufer. Raubkopierer A lädt den Film herunter und sieht ihn sich vielleicht allein an. Doch vielleicht lädt er auch einige Freunde zu sich ein um ihn gemeinsam zu schauen. Am Ende ist man sich einig: Der Film ist ne Wucht und wäre sogar einen Kinobesuch wert. Eventuell geht die Clique also sogar noch ins Kino um sich den Film auf der großen Leinwand anzusehen. Doch noch wahrscheinlicher ist, dass mindestens einer aus der Clique jemandem von Außerhalb von dem tollen Film berichtet, ihm den Tipp gibt, sich den Streifen doch mal anzusehen. Der Außenstehende hält vielleicht gar nichts vom Raubkopieren und kennt auch keinen Weg den Film illegal zu beschaffen. Er geht also ins Kino. Findet er sowieso viel schöner, doch ohne den Tipp der Clique wäre er niemals ins Kino gegangen.
Und das ist es, wo die Filmindustrie gewinnt: Durch einen illegalen Download, der defacto keine Resourcen der Filmemacher verschwendet hat (schließlich musste keine DVD gepresst werden etc.), geht eine Person ins Kino und sieht ihn sich regulär an! Sicher, das sind alles idealisierte Modelle. Vielleicht läuft das bei 10.000 Downloads genau 10 Mal so ab. Doch besser 10 mal als gar nicht! Denn hier entscheidet doch die Investition der Produzenten. Genau genommen haben sie überhaupt keine getätigt um diesen einen Menschen ins Kino zu bekommen. Sie haben lediglich der Raubkopie ihren Lauf gelassen, ohne sie mit milliarden-teuren Kreuzzügen gegen die herunterladbare Präsenz im Äther zu attackieren.
Übrigens noch eine Stelle an der die Industrie letztlich spart: Die Verfolgung der Raubkopierer verschlingt mit Sicherheit 100.00nde jährlich. Würde man davon absehen langwierige Prozesse zu führen oder auch nur Ausschau nach den Saugern zu halten könnte man seine (neu errungenen) Gewinne und die Einsparungen in andere Dinge investieren. Entweder die eigene Tasche oder – wovon wieder alle etwas haben – bessere Filme.
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